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Johina
Registriert seit: 30. October 2004
Ort: Greifswald
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Wer ist er?
Der Mann strahlte Arroganz aus. Ich hatte nur eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahrgenommen, aber irgendetwas hatte meinen Blick förmlich magisch angezogen. Eigentlich saß ich am Rande des Dorfplatzes mit dem Rücken an einen Baum gelehnt und war darin vertieft, einen Text für ein neues Heldenlied zu finden. Die Umgebung hatte ich bis dahin komplett ausgeblendet. Weder nahm ich die Unterhaltungen der anderen Dorfbewohner wahr, noch hörte ich das Prasseln der zwei Lagerfeuer auf dem Platz, noch störte mich der leichte Wind und die gelegentlichen Regentropfen, die vom Himmel fielen. In meinem Kopf war nur Musik, und das war auch gut so, schließlich hatte ich einen Auftrag zu erledigen. Das Festessen des Herzog war nächste Woche und ich hatte nicht mehr viel Zeit, ihm die geforderten drei neuen Lieder über die Tapferkeit und den Heldenmut seines Sohnes abzuliefern. Doch der Mann hatte mich abgelenkt. Und das Schlimme war, ich wusste noch nicht einmal, wodurch. Er hatte nichts gesagt, sich nicht auffällig benommen, er war lediglich auf dem Platz erschienen. Und er strahlte diese unverschämte Arroganz aus.
Verstohlen musterte ich ihn, meine Konzentration war nun eh zum Teufel. Gut sah er aus, das musste ich zugeben, kraftvoll, groß, mit langem dunklen Haar. Ein Mensch, Krieger scheinbar, wie ich an seiner Ausrüstung erkannte: Schwert, mehrere Dolche, ein großer Schild. Ich hob eine Augenbraue; na gut, er schien es für nötig zu halten, so voll bewaffnet auf den Dorfplatz zu kommen – ich zumindest konnte hier keine Gefahr entdecken und musste leicht ironisch grinsen, als ich mich mit einem schweifenden Blick umsah: Ein paar abgehalfterte Krieger um ein Lagerfeuer, eine Gruppe Zwerge beim Kartenspiel und ein paar kichernde junge Elfen, die sich gegenseitig Briefchen zeigten. Ich schmunzelte und mein Blick ging wieder zu dem Krieger hinüber. Er sah sich gerade prüfend um und schien die Situation auf dem Dorfplatz in sich aufzunehmen. Als seine Augen an der Stelle vorbei wanderten, an der ich saß, versuchte ich mich unwillkürlich etwas weiter in den Waldschatten zurück zu ziehen. Einen kurzen Moment konnte ich seine Augen sehen, dunkel, aber erstaunlich kühl tasteten sie den Platz ab.
Wirklich bemerkenswert war seine Haltung: Hoch aufgerichtet hielt er seinen Kopf und die Schultern extrem gerade, was ihn noch größer erscheinen ließ. Wer war er? Ich hatte ihn hier noch nie gesehen.
Unwillig schüttelte ich den Kopf. Was ging es mich an? Was gingen mich irgendwelche Menschen-Männer an, die so stolz und augenscheinlich fürchterlich arrogant und selbstüberzeugt durch das Dorf marschierten? Ich hatte wahrlich besseres zu tun, als mir darüber den Kopf zu zerbrechen und widmete mich wieder meinem Liedtext.
Die Arbeit ging mir nun erstaunlicherweise gut von der Hand, ich versank ganz in dieser poetischen Aufgabe, grübelte hin und wieder, machte mir Notizen und raufte mir ein paar Mal das Haar, so dass es schließlich nach allen Seiten abstand, wie ich es immer unbewusst tat, während ich dichtete. Vor allem sah ich kein einziges Mal mehr auf, bis das Lied fertig war. Nun griff ich neben mich und nahm meine Leier zur Hand, um den Text mit der dazugehörigen Melodie zu testen, stimmte die Saiten und warf dabei einen prüfenden Blick in die Runde, um sicherzugehen, dass ich niemanden durch die Musik stören würde...... und blickte dem Menschen-Mann direkt in die Augen. Er hatte sich auf eine Bank vor Cedriks Kneipe gesetzt – nein, gepflanzt schon eher, so unverschämt wie er sich da breit machte; die Beine weit von sich gestreckt, die Arme vor der Brust verschränkt. Er musterte mich ganz unverhohlen und ich hoffte für ihn, dass er das nicht schon die ganze Zeit getan hatte. Was bildete er sich ein? Ich warf ihm einen giftigen Blick zu, der ihm allerdings nur ein ganz leichtes ironisches Zucken seiner linken Augenbraue entlockte. Meine Hände ruhten immer noch auf der Leier, aber ich hatte jegliche Lust verloren, sie zum Spielen zu bewegen und packte das Instrument also missmutig wieder ein.
Ich griff auch nach dem Rest meines Zeugs: die verstreuten Pergamente mit Noten, die Textskizzen, die Federn und stopfte alles wahllos in meinen Lederbeutel. Meine Bewegungen waren fahrig, das wusste ich, das bemerkte ich ja selber. Ich wollte nur noch schnell weg von dem Dorfplatz, weg von diesem Mann, wobei ich nicht verstehen konnte, das mich ein lumpiger Menschen-Mann so aus der Fassung bringen konnte. Mich, eine Elfe aus den weiten, großen Wäldern meiner Heimat, von einem Mann irritiert, der noch schreiend in den Windeln gelegen hatte, als ich schon perfekt mein Instrument beherrschte, als Kriegerin bereits die ersten Erfolge erzielt hatte und meine magische Fähigkeiten erlernte. Ich war noch nicht alt für eine Elfe, wahrlich nicht; aber schon alt genug um jeglichen Menschen an Lebensjahren doppelt zu übertreffen.
Ich warf mir meinen Beutel über die Schulter und stellte immer schlechter gelaunt fest, dass ich an diesem Menschen-Mann vorbei musste, um zurück ins Wohnviertel zu kommen. Ich hatte natürlich die Alternative, mich in den Wald zu schlagen, aber mit all dem Gepäck stand mir der Sinn nicht gerade danach, auf eines dieser Monster zu treffen, die die Wälder rundum Thalheim bevölkerten.... nein danke!
Ich verdrehte die Augen und steuerte auf den schmalen Eingang der Tavernengasse zu, die den Eingang zum Wohnviertel bildete. Dabei streifte ein Blick meinerseits den Mann auf der Bank und ich sah erleichtert, dass er wohl damit beschäftigt war, seine Dolche zu schleifen, während ich mich ihm näherte. Die Erleichterung sollte nicht lange andauernd, denn er sah auf, musterte mich wieder unverschämt von oben bis unten und grinste mich an. Ich hatte schon beschlossen, ihn einfach zu ignorieren, und wollte grußlos an ihm vorbei gehen, als er mich ansprach „Doch keine Musik, werte Lady?“ Ich sah ihn messerscharf an, um ihn zum Verstummen zu bringen, aber aus seinen Augen blitzte es warnend zurück, so dass ich kein Wort mehr rausbrachte und einen Kloß im Hals hatte. Ich wendete mich abrupt ab und floh durch das Wohnviertel in mein Haus hinein und versuchte zu vergessen, welch eisiger Schauer mir über den Rücken gelaufen war, als ich diesen kurzen Moment tief in seine Augen gesehen, und die Kälte dort drin fast körperlich gespürt hatte.
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